claravista ProjektWer hat heutzutage noch Zeit und Lust sich die Welt erklären zu lassen? Möglicherweise mit seitenlangen Texten und theoretischen Ausführungen? Richtig, niemand, denn jede/r denkt : "Ich bin doch nicht blöd! "
Und doch ist bei vielen irgendwo im Hinterkopf ein leiser Zweifel vorhanden. Läuft diese unsere Welt tatsächlich rund und gleichmäßig um die Sonne oder eiert und schlingert sie und droht von uns, ihren Bewohnern, vernichtet zu werden?
Die epedemieartige Ausbreitung von Journalismus und das damit verbundene krankhafte Überangebot an Informationen hat eines erreicht: Das Elend dieser Welt jeden Tag in unseren Wohnzimmern kotzt uns an. Wir wollen es nicht mehr sehen. Was der dritte ARD - Brennpunkt in Folge zum Anstieg des Moselhochwassers nicht geschafft hat, besorgt dann die Reizüberflutung durch Werbung im öffentlichen Raum: wir sind nicht mehr aufnahmefähig!
Wirklich nicht mehr aufnahmefähig? Nein, stimmt nicht, einer geht noch rein.
claravista zeigt Dias auf einer knapp 40 Quadratmeter großen Projektionsfläche mitten in Berlin-Kreuzberg und anderswo. Ein statisches Bild mit wechselndem Inhalt. Der Name claravista steht für den Versuch die Sicht für ein paar Dinge, die uns umgeben, wieder klar werden zu lassen. Die klare Sicht auf die kleinen aber wesentlichen Dinge, die menschliches Zusammenleben erträglich machen, die klare Sicht auf Zukunft für Menschen, die klare Sicht auf Utopien ist das Programm.
Die armen Völker aus den südlichen und östlichen Regionen der Welt fallen bei ihren Artgenossen in den nördlichen Regionen ein um sich zu holen, was ihnen weggenommen oder vorenthalten wird: Ihr Anteil am unermesslichen Reichtum auf unserem Planeten.Es soll Solidarität und die Einsicht eingefordert werden, dass wir von unserem real existierenden Überfluss abzugeben bereit sein müssen auch mit dem Hinweis darauf, dass die betrogenen und bestohlenen dieser Welt wesentlich zahlreicher sind als die Betrüger, Diebe und Mörder. Denn eines muss allen Menschen jetzt bald klar werden: Das Boot kann nicht voll sein, denn keine Nation ist mit dem Einerkanu unterwegs, es gibt nur ein grosses Schiff, das Raumschiff Erde.
claravista will dabei niemandem den Spass am Dasein nehmen mit sattsam bekannten Parolen vom "Kampf gegen" und "Nieder mit". Die Situation um den Görlitzer U-Bahnhof herum ist nicht durch Wohlstand geprägt. Doch muss ganz klar gesagt werden, auch wenn es vielen Menschen in dieser Gegend Berlins subjektiv schlecht geht, geschieht dies doch objektiv auf hohem Niveau.
Allerdings ist angestrebt, die Projektionen auch auf Gegenden auszuweiten, in denen es den Menschen sowohl subjektiv als auch objektiv gut geht. Die klare Sicht auf die kleinen Freuden des Lebens soll nicht vernebelt werden. Die claravista-projektionen wollen provozieren, zum nachdenken anregen aber auch zum Schmunzeln oder gar Lachen verleiten.